August 07, 2007 GMT
Georgien

Der Start in Georgien war ein ueberraschend unproblematischer Grenzuebergang aus der Tuerkei. Nicht mal 2h und die Horrorstories ueber korrupte Grenzbeamte erweisen sich als nicht zutreffend. Wie ich spaeter rausfinde aber auch erst seit Praesident Saakashvili (der nach Shewardnazes Rausschmiss kam) aktiv gegen die Korruption vorgegangen ist.
Leider krieg ich nur 10 Tage Erlaubnis fuers Motorrad, das sorgt fuer einige Rennerei, aber dazu spaeter. Zunaechst gings erstmal ueber abenteuerliche, mit Schlagloechern uebersaete Strassen in die naechst groessere Stadt Akhaltsikhe. Die gute Nachricht: es gibt funktionierende Geldautomaten in Georgien. Die schlechte: Wegweiser sind sehr sehr spaerlich gesaet - ich verpasse den Abzweig in ein Seitental, an dessen Ende die Sehenswuerdigkeit Vardzia liegen soll. Zurueck will ich nicht und auf meiner Karte entdecke ich eine jener geliebten Abkuerzungen, die in Form einer gestrichelte Linie von meinem momentanen Standort relativ direkt nach Vardzia zu fuehren scheint.

Die Schotterpiste auf der ich mich grad befinde ist in meiner Karte als dicke rote Hauptstrasse eingezeichnet und so bin ich gespannt wie den wohl die "Abkuerzung" aussehen wuerde. Mit etwas Orientierungsgeschickt ist der Feldweg bald lokalisiert. Nach etwas 15km loest sich dieser in einem Dorf in einem Brei aus Schlamm und Exkrementen der zahlreich vorhandenden Kuehe, Schweine und Ziegen auf. Ich frage wie's weitergeht und ein Auto mit russischem Kennzeichen bedeutet mir ihm zu folgen. Es geht ein bisschen zurueck und dann durch weite Wiesen, kreuz und quer irgendwelche Pfade entlang. Ich denk mir "hoffentlich laesst der mich hier nicht allein, zurueck findest du diesen Weg mit Sicherheit nicht". Genau das passiert aber, nach einer halben Stunde blieb er stehen, deutet mir die Richtung in die ich weiterfahren soll und braust in die andere davon. Mein Weg folgt bloederweise nicht der angezeigten Richtung und so fahr ich halt etwas anders irgendwo, nirgendwohin. Was zu essen hatte ich bei mir, das Zelt ja sowieso immer und so gings "No Worries" weiter ueber die einsamen Grashuegel direkt in die untergehende Sonne. Wie Lucky Luke dacht ich mir.


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Feldweg nach Vardzia


Aber nach einer Weile, siehe da, taucht in der Ferne wieder ein Dorf auf. Tatsaechlich war ich noch auf dem richtigen Weg und jemand zeigte mir den Weiterweg. Nach Durchfahrt einer weiteren als Klaergrube getarnten Dorfstrasse stand ich auf einmal am Rand einer atemberaubenden Schlucht. Die letzten Sonnenstrahlen leuchteten auf den Wanderweg der sich in Serpentinen nach unten, zum Felsenkloster von Vardzia windet. Im Tal, am Rande des Flusses, stelle ich mein Zelt neben ein paar anderen auf und finde raus, das es hier auch heilende Quellen gibt. Die Besitzer des Heilbades laden mich auf Essen und Wodka ein und ich darf erstmals einen georgischen "Toastmaster" beobachten, der vor jeder Runde Wodka ein paar Minuten lang seinen Trinkspruch auf das Land, die Freunde, Frauen oder internationale Freundschaft in epischer Breite ausfuehrt. Im Verlauf der Ansprache werden die Glaeser mehrmals gehoben und angestossen, nur um mit dem Trinken noch auf eine weitere Runde hochtrabende Aeusserungen des "Toastmasters" zu warten. Ich finde das ziemlich eindrucksvoll, wie auch das Essen und das abschliessende Bad im warmen Heilwasser.
Kaum einen Tag in Georgien und schon hatte ich mich verloren und wiedergefunden und in die Schoenheit des Landes und die Herzlichkeit ihrer Bewohner verliebt.

Das Kloster, ganz im Stil der Kappadokier aus dem Felsen gekloeppelt, wurde am naechsten Morgen besichtigt. Die wiederholten Attacken einer Schwalbe, die ca. 10cm ueber meinem Kopf in Hitchcocks "Die Voegel" Manier vorbeiflog, liessen auf die Naehe ihres Nestes schliessen. Ich zog mich schnell zurueck und begab mich auf den Weg Richtung Tiflis. Diesmal nahm ich den richtigen Weg aus dem romantisch verwinkelten Tal, an dessen Ende ich einer Tschatscha-Attacke gluecklicherweise mit nur geringen Verlusten entkommen konnte (bei Tschatscha handelt es sich um ein hochprozentiges alkoholisches Getraenk, dessen Genuss einem des oefteren von unglaublich heiteren Zeitgenossen waermsten empfohlen wird). Nachdem ich also ganz maennlich den bis zum Rand gefuellten Becher geleert hatte war der Schlangenlienenkurs auf den naechsten 200km Schlaglochpiste die reinste Freude.


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Recycling in Georgien


Die Emme rengtengt im uebrigen auch nach 15'000km immer noch einwandfrei und die Schwaechen der Federung weiss ich durch entsprechenden Koerpereinsatz mittlerweile auch auszugleichen, so dass ich auf dieser Strecke vom schrottreifen Lada bis zum nagelneuen SUV die meisten anderen Fahrzeuge weit hinter mir liess. Lockere 5 Stunden spaeter stand ich auf Tiflis' recht imposanten Freedom Square und schuettelte die Hand von Soika, den ich ueber die Hubb-Community gefunden hatte und der mir in den naechsten Tagen ein Zuhause gab.


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Soika mit neugeborenen Kaetzchen


Seine Eigentumswohnung im 9ten Stock eines Hochhauses am Rand der Stadt wurde von anderen Motorradfahrern schon als spartanische Studentenbude bezeichnet. Ich wuerde es mal so ausdruecken: Ausser dem in Einzelteile zerlegten Window-PC deutet in der Wohnung wenig auf ein Ende der Sowjetzeit hin. Die Tapete ist noch original, die Wasserflecken an der Decke auch; der Wasserhahn laeuft immer ein bisschen (ausser bei den naechtlichen Wassersperren); der gasbetriebene Durchlauferhitzer erinnert mich an das Bad meiner Grosseltern zu DDR-Zeiten und das Brummen des Kuehlschranks russischer Bauart sorgt immer fuer das beruhigende Gefuehl: "Du bist nicht allein".
Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen fuehl ich mich wohl in der Wohnung, wie auch in Tiflis und ganz Georgien. Die Zustaende waehrend der Sowjetzeit, der Mangel and allem Speziellen, das Improvisationstalent sind noch sicht- und fuehlbar. Auch die Lebenseinstellung der Menschen und deren Eigenheiten kommen mir bekannt und sogar vertraut vor.
Das kommt vielleicht so: Den Fall der Mauer hab ich ja im zarten Alter von 11 Jahren, und dadurch nicht besonders bewusst, erlebt. In den folgenden 18 hab ich dann so ziemlich alles was vom DDR-Wertesystem noch uebrig war ueber Board geworfen und mich viel mehr noch als die Landsleute im Osten in das Gesellschaftssystem des "Klassenfeinds" integriert. Und doch, hier in Georgien ist die Verwestlichung noch nicht so fortgeschritten und ich spuere Freundschaft und Hilfsbereitschaft in einer direkten und unkomplizierten Art und Weise, wie ich sie von meiner Kindheit zu kennen meine, aber wie zu leben ich spaetestens seit meiner Zeit in Amerika vergessen zu scheinen habe.
Ich hoffe ja ein paar der guten Eigenschaften wieder fuer mich zurueckgewinnen zu koennen, weiss aber auch, dass sich so Grundeinstellungen nicht ueber Nacht aendern, vor allem wenn man den immer wieder oberflaechlichen (aber paradoxerweise sehr intensiven) Lebenstil eines Vagabunden fuehrt.


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Soika, Sascha und Vater in der Dacia bei Tbilisi


Nun aber genug der peinlichen Selbstkritik, zurueck zur Story:
Mit Soika und seinen Freunden tauche ich ein in das Leben in Tiflis, und froehne ausgiebig dem georgischen Nationalhobby des Essens (wirklich unglaublich gut), Trinkens und Ratschens. Meine Abfahrt in den Kaukasus verzoegert sich unweigerlich und wir entscheiden, dass die 10 Tage, die mir der Zoll fuer mein Motorrad gegeben hat zu kurz sind. Wie alle Georgier ist auch Soika sehr telefonier- und SMS-freudig und findet in Nullkommanix raus wie wir die Erlaubnis verlaengern koennen.
Am naechsten Morgen mach ich mich auf in Richtung Flughafen, bekomme als Beifahrerin, Uebersetzungs- und Navigationshilfe noch die sehr anschmiegsame Nina aufs Mopped gesetzt. Ich verlieb mich natuerlich sofort in sie und dank unglaublicher buerokratischer Huerden (wir tuckern im Tagesverlauf ca. 100km von einer zur naechsten Behoerde und verbringen ca. 5h in saunaaehnlichen Wartezimmern mit schwitzenden Autohaendlern) und des Defektes und improvisierter Reparatur meiner Hinterradbremse verbringen wir den ganzen Tag zusammen. Um halb sieben verlassen wir endlich voellig entnervt die letzte buerokratische Folterkammer - mein Motorrad ist jetzt fuer 76 Tage (und 75Lari ~ 30Euro) temporaer importiert.


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Nina, Nina tam kartina. Eta Mopped i Motor. brmmmmmm


Durch die Belastung bin ich mir am Schluss auch ueber Nina's Temperament im Klaren, aber die Fahrt nach Hause, entlang der Kura (Fluss durch Tiflis) gleicht alles wieder aus. Nina haelt sich wieder fest an mir als haette die Emme nicht 21, sondern 120 PS. Sascha, ihr Freund!, hat mir in der Zwischenzeit einen Bergfuehrer vermittelt, sowie Trekkingstoecke und Steigeisen fuer meine geplante Kazbeg-Besteigung organisiert...


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Sascha


Das mit dem Bergfuehrer geht sich zwar nicht aus; das mit Nina offensichtlich auch nicht und so widme ich meine Liebe wohl oder uebel den Bergen, in deren Richtung ich am naechsten Tag ueber den Great Military Highway (GMH) aufbreche.


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Ab in die Berge


Den indisch cool anmutenden Kuehen ausweichend (die schlafen auf der Strasse) gehts also den GMH hinauf bis kurz vor die russische Grenze in das Oertchen Kazbegi. Touristische Infrastruktur ist hier ein Fremdwort, aber nach einer Weile finde ich eine Familie, die mich in ihrem Haus aufnimmt. Es spricht niemand Englisch, mein Russisch ist noch extrem schlecht und so bleibt meine Frage nach dem Weg Richtung Kazbeg (mit 5047m dritthoechster Berg Georgiens) und anderen moeglichen Wanderwegen zunaechst unbeantwortet. Es wird allerdings ein Bergfuehrer angerufen, der nach ein paar Minuten mit dem Auto angefahren kommt. Auch seine English-Kenntnisse erschoepfen sich nach der Begruessung - ich soll mit ihm ins Dorfzentrum fahren, wo anscheinend jemand uebersetzen kann. Das gestaltet sich zunaechst schwierig! Obwohl mir der Bergfuehrer nuechtern vorkommt laesst sein Fahrverhalten etwas anderes vermuten. Nach ca. 30m wird offensichtlich, dass Rueckwaertsfahren nicht sein Spezialgebiet ist und wir kratzen seitlich am Zaun entlang. Die Schadenbilanz sind ein kaputtes Ruecklicht und ziemlich fette Kratzer am ansonsten neuwertigen Opel Astra. Der Typ bleibt aber cool und probierts nochmal. Die Kupplung ignoriert er, angefahren wird einfach mit eingelegtem Gang unter Betaetigung des Anlassers. Auch beim zweiten Mal kapiert er nicht, das beim Rueckwaerstfahren Lenk- und Fahrtrichtung entgegengesetzt sind. Diesmal muessen zwei Kaelber ein paar Blessuren einstecken bevor wir wieder im Zaun landen. Das Heck ist nun noch mehr demoliert - er fragt mich, ob ich nicht fahren will. Zu meiner eigenen Sicherheit nehm ich das Angebot an und wir fahren zum Hotel, wo ein Maedel, die in Tbilisi Deutsch studiert hat uebersetzt. Ich kann allerdings nicht rausfinden, wo der Weg zum Kazbeg losgeht, da natuerlich alle Bemuehungen dahin gehen mir die Dienstleistung des Bergfuehrers schmackhaft zu machen. Die sind aber arg teuer und so vertroeste ich ihn auf morgen (mit etwas schlechten Gewissen, da er ja meinetwegen grad das Auto geschrottet hat). Schliesslich kann ich den Kazbeg vom Dorf aus sehen und ich weiss, das die erste Etappe auf die 3600m hohe metereologische Station (die als Berghuette dient) trotz Ueberschreitung des Gletschers auch allein machbar ist.


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Kazbeg in der Morgendaemmerung


Nach Einkauf von Verpflegung fuer 3 Tage treff ich im Dorf zwei Nuernberger, mit denen ich fuer 6 Uhr am naechsten Morgen einen Treffpunkt ausmache, denn sie gehen mit einer gefuehrten Gruppe auch auf die Meteo-Station. Irgendwie stopfe ich den ganzen Krempel (Isomatte, Schlafsack, Klamotten, Steigeisen, Essen, Kochzeug usw.) in meinen 40l Rucksack (!) und stehe in der frueh allein am Treffpunkt :-(. Deutsche Puenktlichkeit denk ich mir und geh alleine los. Nach 1h werden meine Zweifel ob des richtigen Weges immer groesser, aber ich treffe auf eine Gruppe junger Polen, die den Weg kennen. Die sind mit Tagesgepaeck unterwegs und ich bin brutal am Schnaufen um ihnen hinterherzukommen. Irgendwann holen wir auch die deutsche Gruppe ein. Die sind zwar verspaetet gestartet, haben mich aber auf einem Ausweichweg mit Aufstiegshilfe Jeep und Packpferden ueberholt.


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Zahlreiche Aspiranten am Gletscherende


Die Querung des aperen Gletschers ist problemlos - die fetten Spalten deutlich sichtbar. Irgendwann bin ich endlich an der Meteo-Station, ruh mich ein bissl aus, und mach mit jedem und allen Freundschaft, schliesslich bin ich auf der Suche nach Partnern fuer den Aufstieg zum Gipfel. Es gibt alle moeglichen Nationalitaeten hier, viele Polen, Litauer, Estonier, besagte Deutsche, Franzosen, Italiener, Russen, aber viele sind entweder beim Abstieg oder planen den naechsten Tag als Gipfeltag, den ich mir aber fuer Akklimatisierung reserviert hab. Mit einer lustigen Truppe Polen passt aber der Zeitplan (und auch die Verstaendigung) und sie sind einverstanden mich mitzunehmen.


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Meteo-Station und Zeltplatz ueberm Gletscher


Meine Ausruestung konnte ich langsam auch noch komplettieren. Mitgebracht hat ich ja die Regenjacke von Soika, die Skistoecke von Sascha und die Steigeisen eines alten georgischen Bergsteigers. In der Huette fand sich auch noch ein zweckentfremdeter alter Pickel und ein weiterer Bersteiger lieh mir seine Gamaschen.


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Steigeisen, Modell "Luis Trenker"




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Ein Pickel fand sich in der Meteo-Station...


Nach einem Tag Pause zwecks Akklimatiesierung, waehrendem wir aber den Zugang zum Gletscher schon mal inspiziert hatten, sollte es am 3.ten Tag um 3 in der Nacht losgehen. Ein fieses Wetter mit Hagel hielt uns erst davon ab, aber um 4 war der Himmel sternenklar und so gingen wir doch noch los. Kurz vor uns startete die deutsche Gruppe mit ihren zwei Bergfuehrern, die aber eine alternative Aufstiegroute durch eine Schotterrinne nahmen. Unser etwas laengerer Weg ueber den Gletscher ging aber gut und der Sonnenaufgang war ein wunderbares Erlebnis. Am Anfang so einer Tour fragt man sich ja immer wieder, warum man eigentlich so bloed ist und hier im Dunkeln durch irgendwelche Geroellfelder tappt.


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Sonnenaufgang beim Gletscheraufstieg


Nach mehreren kurzen Pause machten wir auf etwa 4500m auf einem Plateau halt, um Steigeisen anzulegen und das Seil wieder im Rucksack zu verstauen. Von jetzt an gings naemlich erheblich steiler (bis 45 Grad) aufwaerts. Der Schnee wurde auch etwas tiefer und es war ein Glueck, dass die deutsche Gruppe vor uns schoen gespurt hatte. Denn mindestens zwei meiner polnischen Kameraden ging so langsam die Luft aus und wir mussten oft lange Pausen einlegen. So wie es aussah dachte ich nicht, das wir es noch auf den Gipfel schaffen. Ca. 150m unterhalb des Gipfels gab es einen kleinen Sattel, den wir uns als Ziel steckten, von dort aus wuerde nur wer noch Kraft hat zum Gipfel gehen.


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Mein polnisches Team


Mittlerweile waren auch Wolken aufgekommen, die um den Gipfel waberten und die schoene Aussicht zunichte zu machen drohten. Von den langen Pausen vorher war ich eigentlich gut ausgeruht und so dachte ich, los jetzt, renn mal eben da rauf. Das funtioniert auf 5000m Hoehe aber nicht mehr so gut, kaum ein paar Meter gegangen und mein Puls haemmerte wie wahnsinnig gegen die Ohren und unter der Schaedeldecke. Auch meine Lunge und Herz fuehlten sich wie explodieren an und so musste ich die Geschwindigkeit wohl oder uebel reduzieren. Es dauerte also doch noch eine halbe Stunde bis ich oben war. Die letzten 50m waren die wahrscheinlich laengsten und anstrengendsten die ich jemals gegangen bin, aber der Ausblick durch die Nebelschwaden war dennoch grandios und die Anstrengung auf jeden Fall wert. Nach ein paar Schlucken zu trinken und ein bissl Gipfelschokolade schlief ich dann beim Warten auf die anderen kurz ein. Ich dachte schon die kommen nicht mehr und ging wieder etwas den Weg runter, als einer nach dem anderen doch noch heraufgekrochen kamen. Irgendwann, ca 13 Uhr waren wir alle oben, total im Arsch aber happy. Der Aufstieg hatte 7h gedauert, womit wir nicht die langsamsten waren.


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am steilen Gipfelanstieg


Nach einer weiteren Pause hatte ich mich mittlerweile schon wieder gut erholt, aber zwei meiner Kameraden wackelten und fielen den Gipfelhang hinunter, dass ich mir echt Sorgen machte. Nur gut, dass das Gelaende technisch unschwierig war, sonst haetten wir noch zeitaufwendig sichern muessen.
Auch im Weiterweg hab ich als Letzter immer schoen aufgepasst, dass keiner bocklos liegen bleibt. Nach einer weiteren langen Pause auf dem Plateau seilten wir uns wieder an, um im monoten Trott den langen Weg ueber den Gletscher hinunterzuwackeln. Inzwischen waren die Wolken auch dichter geworden, es fing zu schneien/regnen an. Es lief aber alles glatt und um fuenf am Nachmittag waren wir zurueck an der Meteo-Station. Alle fielen erstmal in ihre Kojen und auch ich war selten so happy ueber meinen Schlafsack.


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Gipfelfoto!


Nach ein paar Stunden ausruhen gabs dann noch eine kleine Gipfelfeier, ganz untypisch ohne Wodka. Am naechsten Tag war Abstieg zurueck ins Dorf und zu einer weiteren Nacht bei meiner Gastfamilie. Da hatte sich in der Zwischenzeit eine Schulklasse der ca. 8ten Klasse eingemietet, die mich ganz neugierig beaeugten. Die Englischlehrerin lud mich auf Tee und Kekse ein und wir kamen ins Reden. Die Jungs hatten schon einiges an Wodka vertilgt, was fuer die Lehrer kein Problem zu sein schien. Sie redeten also etwas Bloedsinn, den ich nicht verstand, aber alle anderen lustig fanden. Die Maedels, ganz nuechtern und brav, entdeckten als Betaetigungsfeld meine nichtvorhandenen Georgisch-Kenntnisse und versuchten mir ein paar Woerter beizubringen. Einige habe ich tatsaechlich behalten, z.B. Jandaba (Shit!), welches ganz aehnlich wie das hebraeische Sababa (Ok, Super, Gut...) klingt. Die verschiedenen Sprachen vermischen sich so langsam zu einem Brei in meinem Kopf, mal sehen ob ihr mich noch versteht wenn ich wieder heim komm.


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Feiern in der Kueche der Meteo-Station


Vor dem Rueckweg nach Tbilisi wollte ich eigentlich noch etwas Felsklettern und hatte von einem Tal mit hohen Waenden gehoert. In der Karte war am Ende der Strasse das verschlafene Doerfchen Djuta verzeichnet, allerdings folgte ich dem Weg etwas zu weit (fuer die Doerfer gibts hier nie Ortsschilder und man weiss selten so recht wo man ist). So kam ich aus Versehen an die russische Grenze, die ja wegen den Querelen der beiden Laender geschlossen ist. Ein einsames Zelt markierte den georgischen Checkpoint, an dem mich ein paar einsame Soldaten zur Umkehr ueberredeten. Es war schon wieder spaeter Nachmittag und ich versuchte in Djuta ein Zimmer zu finden. Einen Matschweg hinauf fuhr ich erst an ein paar alkoholisierten Gesellen vorbei nur um etwas spaeter das Ende des Weges zu entdecken. Ich musste also zurueck und kam um ein Gespraech nicht herum. Das verlief allerdings nicht sehr positiv, einer der Typen reagierte auf mein Anliegen hier wandern zu wollen recht grimmig und machte Gesten wie Schiessen begleitet von Wortfetzen wie Terrorist, Bin Laden, usw. Ich hatte allerdings in dieser Gegend von keinerlei Problemen gehoert, machte mich aber vom Acker weil mir dieser Typ immer unwirscher wurde. Am andern Ende des Dorfes probierte ich es dann nochmal, diesmal erwischte ich eine ganz liebenswerte Frau, Lali, die mich gleich einquartierte und Essen auftrug, dass sich der Tisch bog.


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Djuta


Niemals konnte ich alles essen, wurde aber staendig mit kuschai, kuschai (iss, iss) zur weiteren Voellerei ermutigt. Der Ofen wurde eingeheizt und ich wollte ein bisschen Russisch lernen, als ich eine bekannte Maennerstimme vernahm. Die Tuer ging auf und, ohooh, der grantige Typ von vorher entpuppte sich als Herr des Hauses. Seine Frau versuchte ihm klarzumachen das ich ein Tour- und kein Terrorist bin, er hatte aber seine eigene Strategie das sicherzustellen. Ein bisschen Wodka kann man ja nicht ablehen, und ich fand bald raus das nemnoschka die Menge von 0,7l Wodka bezeichnet. Die ersten Stamperl machten mir noch nix aus, aber Koba hatte ja schon ordentlich vorgeglueht und so verlief die Diskussion im Kreis. Die Fragen nach meiner Herkunft, Alter und meinen Absichten wiederholten sich. Abwechselnd wurden meine Antworten entweder zweifelnd aufgenommen oder er drueckte sein kratziges und nach Rauch und Alkohol riechendes Gesicht "liebevoll" an meines um seine Sympathie zu bekunden. Erinnerungen an meinen Grossvater wurden wach. Bald aenderte sich seine Stimmung wieder, er wollte meinen Pass sehen, nein doch nicht jetzt, schau mal hier mein Taschenmesser - etwa 15cm Klinge! - und im Nachtkastl noch eine fiese dolchaehnliche Stichwaffe. Unterm Kopfkissen noch ein fettes Rambomesser und, er verschwindet kurz, kommt wieder, tataa, sein Gewehr! Von Schusswaffen hab ich ja nicht viel Ahnung, aber ein Luftgewehr war das nicht. Die Flasche Wodka neigt sich allerdings dem Ende, der Typie legt sich in sein Bett und ich verschinde in meins, an dessen Seite, etwa 30cm von meinem Kopf entfernt, das Gewehr lehnt. Nicht so recht wissend ob mich das beruhigen oder nervoes machen soll schlaf ich ein. In der frueh leb ich noch und um mich dessen zu erfreuen krieg ich gleich ein Fruehstuecksmahl, das fuer 2 Tage reichen wuerde.



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Meine Gastgeber Koba und Lali


Da ich in der Nacht auch Koba nicht umgebracht hatte und er seinen Rausch ausgeschlaffen hatte wurde ich am Morgen unheimlich herzlich behandelt; wieder fuehlte ich mich wie bei Oma und Opa.
Nun gings also los, in das Tal mit den Felsen. Es ist unheimlich malerisch, die Pferde und Kuehe/Kaelber sehr fotogen. Es kommen mir 4 russische Touristen entgegen die offensichtlich die Nacht gecampt haben, aber sonst findet sich keine Menschenseele, geschweige denn ein Kletterer. Ich klettere also ein bissl zwischen den Bloecken unter den Felswaenden rum und entdecke ein paar Haken von extrem zweifelhafter Qualitaet. Auch sonst siehts ein bissl bruechig aus, vielleicht nicht so das Plaisier-Klettergebiet hier. Nach ausgiebigem Schlummern in der Sonne gehts wieder zurueck ins Dorf, nochmal Essen fassen und dann ab Richtung Tbilisi, schliesslich rueckt so langsam das Einreisedatum des turkmenischen Visums naeher.


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Auf dem dem Weg nach Hause treffe ich noch zwei deutsche Motorradfahrer, die ihre Kisten fuer den 3-woechigen Urlaub von Hamburg aus nach Batumi verschifft hatten. Sind beide aus Muenchen und reagieren etwas unglaeubig auf mein Motorrad und meine Geschichte. Ich vergess komplett nach den Namen zu fragen und mach leider auch kein Foto. Im Nachhinein denk ich mir, der eine schaut fast aus wie, na wie dieser bayerische Schauspieler der auch ein Harleyladen hat. Namen weiss ich jetzt nich. Hat auch eine aehnlich Stimme und den Dialekt, vielleicht ist es sein Bruder.


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Lada Niva auf dem Great Military Highway


Bei meiner Rueckkunft in Tbilisi wird meine erfolgreiche Besteigung ueberraschend angemessen honoriert,


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ach Nina...


und mein Abschied ausreichend gefeiert:


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Abschiedsfeier, im Vordergrund der Toastmaster




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Effects of vodka on guys...




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... and girls


Nach einer langen Nacht folgt ein langsames Erholen vom Kater und am Nachmittag begeb ich mich endlich in Richtung azerbaidshanische Grenze, wo eine weitere Ueberraschung wartete. Doch dazu mehr im naechsten blog...

Posted by Andreas Naumann at August 07, 2007 11:06 AM GMT
 
 

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